Lebenslänglich für den Gebirgsjäger Josef Scheungraber - Und die Gemeinde Mittenwald verweigert Gedenken an die Opfer

Am Dienstag, 11. August 2008 wurde der ehemalige Gebirgsjäger-Offizier vor dem Landgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt.

Scheungraber

Der damalige Kompaniechef eines Gebirgspionierbataillons hatte am 27. Juni 1944 den Befehl zu einem Vergeltungsschlag gegeben. 11 italienische Zivilisten wurden auf sein Geheiß hin in der toskanischen Ortschaft Falzano di Cortona zusammen getrieben und in einem Bauernhaus in die Luft gesprengt. Nur eine Person überlebte das Massaker. Scheungraber bestritt während des gesamten elfmonatigen Prozesses, von dem Massaker gewusst zu haben. Am 11. August 2009 wurde er vor dem Landgericht München wegen zehnfachen Mordes und einem versuchten Mord verurteilt. Die Anwälte Scheungrabers haben gegen das Urteil Revision eingelegt.

Vor und nach dem Prozess fand vor dem Münchener Justizgebäude eine Kundgebung des AK Angreifbare Traditionspflege statt, auf der der Bürgermeister von Cortona und die aus Italien angereisten Vertreterinnen der Nebenklage sprachen. Der AK forderte:

  • Anklageerhebung gegen alle in Italien wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilten deutschen Ex-Soldaten!
  • Einstellung jeder finanziellen oder sonstigen Unterstützung des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.“ durch die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium!
  • Entzug der Gemeinnützigkeit des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.“. Scheungraber ist Mitglied des Kameradenkreises, der jährlich in Mittenwald das größte Soldatentreffen der BRD abhält.

Auf einem 2 mal 3 Meter großem Transparent forderte der AK während des Prozesses die Wiederaufstellung des Denkmals mit Steinen aus dem verwüsteten Ort Falzano di Cortona im Gebirgsjägerstandort Mittenwald. Das Denkmal wurde am 30. Mai 2009 in Mittenwald aufgestellt, um in dem Ort der Täter der Opfer ihrer Verbrechen zu erinnern. Nach wenigen Tagen wurde das Denkmal auf Anordnung des Mittenwalder Bürgermeisters demontiert.

Bericht von der Denkmals-Enthüllung: http://keine-ruhe.org/node/125

Mit Offenen Briefen haben bisher verschiedenen Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen die Wiederaufstellung des Denkmals gefordert. Darunter das Auschwitzkomitee.

Unterstützt den Protest: http://keine-ruhe.org/mittenwald/offenerbrief

Einige Bilder von der Urteilsverkündung:

Kundgebung in München
Angiola Lescai und Magherita Lescai, Angehörige der Ermordeten und Nebenklägerinnen im Prozess, während der Kundgebung.

Kundgebung Scheungraber
Der Bürgermeister Cortonas, Andrea Vignini.

Die Namen der Getöteten
Die Namen der Getöteten vor dem Münchener Justizgebäude. Es spricht Ernst Grube, VVn/BdA.

Nebenklägerinnen im Gerichtssaal
Die Nebenklägerinnen mit Anwältin im Gerichtssaal

Scheungraber und seine Anwälte
Scheungraber und seine Anwälte

Scheungraber
Scheungraber und seine Anwälte vor dem Urteil


Kundgebung vor dem Gericht nach der Urteilsverkündung