"...habe ich sehr klar gesagt, dass für mich jede »Aussöhnung« zwischen Tätern und Opfern inakzeptabel ist."

Leserbrief von Maurice Cling zum Artikel „Mahnmal: Alte Konflikte brechen erneut auf“ in: merkur-online, 22.03.2010 (siehe Pressespiegel)

Ich habe Ihren Artikel über die Feierstunde in Mittenwald zur Kenntnis genommen. Da Sie sich auf meine Rede beziehen, möchte ich einige Aspekte daraus präzisieren, da ich fürchte, dass ich nicht richtig verstanden worden bin.

Erstens habe ich sehr klar gesagt, dass für mich jede »Aussöhnung« zwischen Tätern und Opfern inakzeptabel ist. Zuallererst geht es darum, die Verbrechen der Wehrmacht und der SS, die Europa in Blut getaucht haben, als Verbrechen anzuerkennen, insbesondere in Mittenwald noch in den letzten Stunden des Krieges. Ich sagte dies im Namen meiner Kameraden, die in der Umgebung von Mittenwald ermordet worden sind.
Zweitens muss ich die Aussage des Präsidenten des Kameradenkreises Herrn Benkel, er sei von meiner Rede »innerlich bewegt« gewesen, zurückweisen. Diese »innere Bewegtheit« verträgt sich schlecht mit der Feier auf dem Brendten, die ja der Tradition der Gebirgsjäger gewidmet ist.
Dass Herr Benkel in Anlehnung an meine Rede dieses Treffen zudem als »Mahnung« verstanden haben will, ist ein schockierender Versuch der Vereinnahmung der Opfer durch die Täter und eine unglaubliche Entstellung des Gedenkens an die Opfer. Wenn der Kameradenkreis seine »Mahnung« ernst machen will, muss er öffentlich über die Verbrechen der Gebirgsjäger sprechen.

Ich habe mehrmals zusammen mit dem Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege, der das Gedenken an die Opfer verteidigt, demonstriert und ich solidarisiere mich vollständig mit dem AK und seiner Aktion der Denkmalsaufstellung.

Maurice Cling
Nr. A 5151 in Auschwitz und Nr. 139 140 in Dachau