Seit Jahrzehnten werden die deutschen Kriegsverbrechen von Waffen-SS und Wehrmacht in der BRD totgeschwiegen. Wenig beachtet von der Öffentlichkeit hier finden allerdings seit einigen Jahren vor einigen Militärgerichten in Italien wieder Prozesse gegen ehemalige deutsche Soldaten wegen ihrer Beteiligung an Massakern statt - allein in Italien wurden mehr als 10.000 ZivilistInnen ermordet. Viele der in der BRD lebenden Angeklagten wurden bereits verurteilt, weitere Verfahren sind zur Zeit in der Vorbereitung.
Trotz der Verurteilungen leben die Täter in Deutschland bisher völlig unbehelligt - nicht zuletzt mit Hilfe der Justiz. Ermittlungsverfahren werden mit skandalösen Begründungen eingestellt oder in die Länge gezogen. Die Mörder leben ihren Nachkriegsalltag als „ganz normale alte Männer“ weiter und beziehen ihre Renten.
Wir wollen dieses Schweigen durchbrechen und rufen auf zu einem bundesweiten Aktionstag gegen die NS-Kriegsverbrecher am Samstag, den 1. Dezember 2007. Wir werden die Orte aufsuchen, in denen die verurteilten Mörder leben.
In Greven wohnt beispielsweise der Kriegsverbrecher Heinrich Nordhorn als angesehener Bürger. Er wurde wegen mehrfachen Mordes in Italien verurteilt. Erst vor kurzem zitierte eine Münsteraner Zeitung den Bauunternehmer, der über 250 Wohnungen besitzt, mit der Äußerung über einen unliebsame Mieter, der Mann gehöre mit den Spaten ins Moor. Diese Diffamierung blieb in Greven unwidersprochen.
Die größten Massaker in Italien fanden in Sant' Anna di Stazzema und in Marzabotto statt. In Sant' Anna wurden am 12. August 1944 560 Menschen von Angehörigen der 16.SS-Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" ermordet. Zehn der Mörder wurden im Juni 2005 in La Spezia zu lebenslanger Haft verurteilt. Im letzten Jahr fanden im Rahmen eines ersten Aktionstages gegen NS-Kriegsverbrecher an den Wohnorten von sechs der Verurteilten Kundgebungen statt. Der ranghöchste Verurteilte, der ehemalige SS-Offizier Gerhard Sommer, lebt in einem Seniorenheim in Hamburg. Nach der Protestaktion dort kam der Kriegsverbrecher in Bedrängnis. Die übrigen BewohnerInnen beschlossen, dass Sommer seine Mahlzeiten nicht mehr mit ihnen im Speisesaal einnehmen darf. Ihm wurde ein Tisch vor der Tür zum Saal zugewiesen. Auch bei Gemeinschaftsveranstaltungen bleibt er seitdem außen vor.
In der Bergregion Marzabotto ermordete dieselbe SS-Einheit gemeinsam mit hinzugezogenen Wehrmachtsangehörigen zwischen dem 29. September 1944 und dem 5. Oktober 1944 weit über 700 Menschen. Im Januar 2007 wurden weitere zehn SS-Angehörige zu lebenslanger Haft und zur Zahlung von Entschädigungen an die Überlebenden und Angehörigen der Opfer verurteilt. Diese Verbrecher, die heute als "nette Opas von nebenan" verstreut in der ganzen Bundesrepublik leben, sind am 1. Dezember 2007 im Fokus der Aktionen.
Am Umgang mit der Vergangenheit entscheidet sich die Frage, auf welchen Werten sich eine Gesellschaft gründet. Wenn massenhaft Verbrechen bewusst verdrängt, Mörder gezielt nicht zur Verantwortung gezogen, sondern als "ehrenwerte Bürger" angesehen werden, gibt es keinen Grund, sich über Gewaltexzesse wie in Mügeln zu wundern. Dort wurden im August 2007 indische Menschen von einem Volksfest-Mob durchs Dorf gejagt. BewohnerInnen beteiligten sich oder sahen zu, die Polizei schritt nicht ein, was sich heute angeblich niemand erklären kann.
Beteiligt euch am Aktionstag!
Das Schweigen durchbrechen - NS-Kriegsverbrecher zur Verantwortung ziehen!
Infos & Termine: www.keine-ruhe.org