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Der nette Opa von nebenan? - Flugblatt zum Aktionstag bei Heinrich Nordhorn
By admin
Created 30/11/2007 - 19:54

Kriegsverbrecher Heinrich Nordhorn, verurteilt für die Hinrichtung von 10 Menschen in Norditalien.

Viele von Ihnen werden den ehemaligen Bauunterneh­mer Heinrich Nordhorn kennen. Noch heute können Sie dem 87-Jährigen, rüstigen Mann beim Einkaufen begegnen. Der Grevener wurde am 3. November 2006 vom Militärgericht La Spezia (Italien) zu lebenslanger Haft und zu Schadensersatz­zahlungen in Höhe von 1,3 Millionen Euro verurteilt. Nordhorn ließ durch seinen Anwalt Berufung gegen das Urteil einlegen. Die Zentralstelle für die Bear­beitung von NS-Massenverbrechen bei der Staats­anwaltschaft Dortmund führt ein Ermittlungsverfah­ren gegen Nordhorn und prüft, ob auch in der Bun­desrepublik Deutschland eine Anklage wegen Mor­des gegen ihn erhoben werden kann.

Heinrich Nordhorn diente 1944 im Rang eines Leut­nants in der Stabskompanie der Schweren Heeres-Panzerjägerabteilung 525. Nach dem Waffenstill­stand Italiens mit den Alliierten und der anschließen­den Besetzung Italiens durch die Wehrmacht im September 1943 kam Nordhorn mit seiner Truppe nach Italien. Im Sommer 1944 wurde sie in der Um­gebung von Forlì in der Emilia Romagna stationiert.

Der ehemalige Wehrmachts-Leutnant Nordhorn wurde verurteilt, weil er für die Ermordung von zehn Menschen in den Dörfern Branzolino und San Tomè (bei Forlì) verantwortlich ist. Er kommandierte da­mals einen Pionierzug mit rund 30 Soldaten. Als am 28. August 1944 ein deutscher Soldat bei Branzolino durch einen Sprengsatz verletzt wurde, machten die deutschen Besatzer Partisanen dafür verantwortlich. Sie holten noch am selben Tag vier willkürlich aus­gewählte Männer aus dem Geisel-Gefängnis Forlì und brachten sie zum Ort der Minenexplosion. Dort wurden sie von Nordhoff und seinen Männern ge­henkt. Sie zwangen die Bevölkerung von Branzo­lino, der Hinrichtung zuzusehen und einige Männer mussten ihnen sogar bei der Hinrichtung helfen.

Das zweite Verbrechen, für das Heinrich Nordhorn verurteilt wurde, fand in San Tomè statt. Anfang September 1944 wurde in der Nähe des Örtchens ein deutscher Soldat durch eine Mine verwundet. Am folgenden Tag führten Soldaten von Nordhorns Ab­teilung gemeinsam mit italienischen Faschisten eine Razzia in San Tomè durch und nahmen sechs Männer willkürlich fest. Die EinwohnerInnen mussten sich versammeln und zusehen, wie Nordhorn und seine Soldaten die sechs henkten. Beide Hinrichtungen waren Racheaktionen, die nicht vom Kriegsvölker­recht gedeckt wurden. Sie dienten der Abschreckung und Einschüchterung, um die Bevölkerung von der Unterstützung der Partisanen abzuhalten.

Wie lebte Heinrich Nordhorn mit der Verantwor­tung für die Kriegsverbrechen im beschaulichen Greven?

Heinrich Nordhorn machte nach dem Krieg eine Kar­riere als Bauunternehmer und FDP-Politiker. Man sagt in Greven, er habe den halben Ort nach dem Krieg wieder aufgebaut. Außer öffentlichen Gebäu­den plante und baute Nordhorn auch Mietwoh­nun­gen, von denen er etwa 250 besitzt, die meisten da­von in Greven, z.B. an der Sachsen- und der Fran­kenstraße. „Dem Bauen gilt die lebenslange Leiden­schaft des Jubilars“, lobhudelte die Grevener Lokal­zeitung anlässlich Nordhorns 85. Geburtstages, und weiter: „Mindestens ebenso leidenschaftlich frönt er der Jagd.“ Seine früheren Mitgliedschaften im Kreistag Alt-Münster und im Aufsichtsrat der Flug­hafengesellschaft Münster/Osnabrück haben seinen Geschäften als Bauunternehmer sicher nicht gescha­det.

Heinrich Nordhorn mischte sich bei Konflikten mit Mietern seiner Wohnungen auch gerne persönlich ein.

Als einmal ein Mieter verschwand, ohne zu bezahlen, tobte Nordhorn, „der Ex-Vertragspartner gehöre mit dem Spaten ins Moor.“

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