Aus dem Verfahren gegen Hubert Bichler, verurteilt wegen Beteiligung am Massaker in Marzabotto. Der 1920 geborene Bichler wohnt heute in Hopfgarten, Nordtirol, Österreich.
Hubert Bichler tritt der SS am 01.04.1938 bei. Ist zunächst bei der Totenkopf-Division und später bei der 16. Pg-Division. Er erlangt den den Grad des SS-Unterscharführer am 20.04.1941 und zwei Jahre später den Rang des SS-Oberscharführer (01.02.1943). Bichler war Kommandant eines Zuges gleichzeitig in der 1. und in der 3. Kompanie und wurde je nach Bedarf verwendet.
Bichler gibt in seinen Aussagen zu, an mehreren Aktionen gegen Zivilisten beteiligt gewesen zu sein.
Aus den Aussagen von Bichler in Kitzbuhel 2003:
Bichler erklärt, Mitglied des Aufklärungsbataillon gewesen zu sein, von der Totenkopf-Div. kommend, in die er sich 1938 in Dachau hat einschreiben lassen. Er sei in Italien wegen Malaria, die ihn zu einem langen Aufenthalt in einem Militärkrankenhaus gezwungen hätte, nur an zwei Aktionen beteiligt gewesen. Die erste Aktion habe in Carrara stattgefunden, von der zweiten wisse er nicht mehr an welchen Ort, aber er erinnere sich, dass es sich um eine Aktion gegen die Partisaneneinheit Stella Rossa unter dem Befehl seines Kompaniekommandant Schmidkunz gehandelt habe. Befohlen worden sei, die Partisanen gefangen zu nehmen und sie zu erschießen, wenn sie Widerstand leisten und darüber hinaus die Häuser anzuzünden, die in den Händen der Partisanen gewesen seien. Er behauptet, dass solch Befehle von Hauptmann Schmidkunz, nicht vom Bataillonskommandanten Reder gekommen wären. Reder habe den Hauptmann sogar wegen seiner Härte Vorwürfe gemacht und geäußert, dass er "sehr verärgert" gewesen sei.
Schmidkunz hätte auch befohlen, Zivilbevölkerung festzunehmen. Er erinnere sich nicht, im Areal seiner Abteilung auf Partisanen gestoßen zu sein. Vor Ort sei es seiner Meinung nach nicht möglich gewesen, Partisanen und Zivilbevölkerung auseinander zu halten; die Zivilbevölkerung sei aber auf jeden Fall an einen sicheren Ort hinter die Linien gebracht worden. Das Bataillon Reder sei eine Eliteeinheit gewesen: "die haben uns hin geschickt, wenn was los war".
Aus der Anklagerede des Staatsanwaltes:
Bichler, Oberscharführer, Kommandant eines Zuges in der 1. und in der 3. Kompanie, vorher Mitglied der Totenkopf-Div. Seine Anwesenheit und seine Funktionen im Bataillon von Reder seien aus den Dokumenten und aus seinen Aussagen im Prozess Reder bewiesen: er habe zugegeben, am Zusammentreiben von Zivilisten, die dann nach Bologna geschickt worden seien, teilgenommen zu haben, und betont, dass es seiner Meinung nach nicht möglich gewesen sei, Partisanen und Zivilisten auseinander zu halten. (...) Aus seinen Aussagen könne auf eine Planungstätigkeit zwischen Kompanie- und Zugkommandanten vor der Operation geschlossen werden.
Der Staatsanwalt beantragt die Anerkennung seiner vollen Verantwortlichkeit.
Reder-Bichler-Albers
Es liegen weitere Aussagen von Bichler vor. Auffällig sind die entlastenden Aussagen zu Reder die, wie im oben zitierten Abschnitt stets zu Lasten des Kompanieführers Hindkunz gehen. Hindkunz war allerdings zur Zeit der Vernehmungen schon verstorben. In diesen Entlastungsversuchen drückt sich die besondere Nähe zwischem dem Batallionskommandanten Reder und dem rangtieferen Bichler. Der Grund warum Reder sich an den einen von so vielen Unteroffizieren, die er in dieser Zeit und unter den noch zahlreicheren, die er in allen Kriegsjahren unter sich hatte, erinnerte, liegt wohl darin, dass beide Österreicher waren und beide aus der berüchtigten Division Totenkopf kamen. Ein ähnliches Vertrauensverhältnis wie zu Bichler hatte Reder zu Albers. Beide waren Vertauensmänner, denen „brenzlige“ Aufgaben anvertraut werden konnten. Dies wirft zusätzlich ein besondere Licht auf das Ausmaß der Verantwortlichkeit von Bichler.