Mittenwald

Turm der verleugneten Schuld – ein Werkstattbericht

Mittenwald, Pfingsten 2009

Im Zentrum der diesjährigen Kampagne gegen die Traditionspflege der Gebirgsjäger in Mittenwald stand seitens autonomer und antifaschistischer AktivistInnen die praktische Umsetzung der Idee: „Ein Denkmal für Mittenwald“
Dafür wurde aus den Reihen des AK angreifbare Traditionspflege ein Denkmalsbeauftragter ernannt, der zusammen mit ein paar anderen AktivistInnen die weitere Planung in die Hand nahm. Die Grundfrage lautete: Wie lässt sich ein markantes Gegendenkmal in einem Ort placieren, der durch die Todeskultur des Militarismus geprägt ist?

Lebenslänglich für den Gebirgsjäger Josef Scheungraber - Und die Gemeinde Mittenwald verweigert Gedenken an die Opfer

Am Dienstag, 11. August 2008 wurde der ehemalige Gebirgsjäger-Offizier vor dem Landgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt.

Scheungraber

Der damalige Kompaniechef eines Gebirgspionierbataillons hatte am 27. Juni 1944 den Befehl zu einem Vergeltungsschlag gegeben. 11 italienische Zivilisten wurden auf sein Geheiß hin in der toskanischen Ortschaft Falzano di Cortona zusammen getrieben und in einem Bauernhaus in die Luft gesprengt. Nur eine Person überlebte das Massaker. Scheungraber bestritt während des gesamten elfmonatigen Prozesses, von dem Massaker gewusst zu haben. Am 11. August 2009 wurde er vor dem Landgericht München wegen zehnfachen Mordes und einem versuchten Mord verurteilt. Die Anwälte Scheungrabers haben gegen das Urteil Revision eingelegt.

Vor und nach dem Prozess fand vor dem Münchener Justizgebäude eine Kundgebung des AK Angreifbare Traditionspflege statt, auf der der Bürgermeister von Cortona und die aus Italien angereisten Vertreterinnen der Nebenklage sprachen. Der AK forderte:

Nie wieder ...

Transparent zur Kundgebung am 11.8. vor dem Landgericht München

2.8.09 // Offener Brief des Auschwitzkomitees an die Gemeinde Mittenwald

Offener Brief an die Gemeinde Mittenwald

Sehr geehrter Herr Hornsteiner,
sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger von Mittenwald,

Pfingsten 2009 konnte ich Sie anlässlich meines Besuchs in Mittenwald nicht kennen lernen. Sie waren nicht erschienen, als meine Freunde Maurice Cling und Max Tzwangue aus Frankreich und Enzo und Marcello de Negri aus Italien ein Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz in Mittenwald enthüllten, das an die Opfer der Massaker der in Mittenwald ansässigen Gebirgsjägertruppen und ihre Mittäterschaft bei Deportationen von Jüdinnen und Juden erinnern sollte.

24.7.09 | Nach Protesten in Mittenwald: Hausdurchsuchung in Bochum!

Anscheinend im Rahmen von Ermittlungen nach den Protesten gegen das Ehrengedenken der Gebirgsjäger in Mittenwald, wurde am 24.7. in Bochum zwei Wohnungen durchsucht. Hier ist ein Artikel dokumentiert von:
http://de.indymedia.org/2009/07/256858.shtml

Am Freitag, den 24.07.2009 gegen 6 Uhr morgens verschafften sich Beamte der Bochumer Polizei per Durchsuchungsbefehl Zutritt zu zwei Wohnungen und beschlagnahmten alle zum Zeitpunkt vorhandenen

Juli 2009: Presse zum Kriegsverbrecherprozess gegen den Gebirgsjäger Scheungraber in München

Verteidigung will Freispruch in Kriegsverbrecherprozess

tz vom 04.07.2009

München - In einem der letzten deutschen Kriegsverbrecherprozesse hat
die Verteidigung vor dem Münchner Schwurgericht am Freitag einen
Freispruch des Angeklagten Josef Scheungraber (90) verlangt

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"Ich habe im Moment keine Beschwerden"

spiegel-online, 3.7.09

3-sat video: Das Schandmal von Mittenwald | Juli 2009

Bericht der 3sat-Sendung Kulturzeit über den Protest gegen das Ehrengedenken in Mittenwald 2009

"Wir fordern, das Denkmal unverändert wieder aufzustellen!" Offener Brief an den Bürgermeister Mittenwalds

Ein Denkmal für NS-Opfer in Mittenwald
Entschädigung aller NS-Opfer! Keine Straffreiheit für Kriegsverbrechen!

Offener Brief an die Gemeinde Mittenwald

Mit tiefem Unverständnis haben wir erfahren, dass die Marktgemeinde Mittenwald das zu Pfingsten auf dem Bahnhofsvorplatz errichtete Denkmal entfernt hat, mit dem an die Opfer der Massaker der in Mittenwald ansässigen Gebirgsjägertruppen und ihrer Mittäterschaft bei Deportationen von Jüdinnen und Juden erinnert wurde. Die Entfernung des Mahnmals ist ein Affront gegenüber den Überlebenden und den Opfern von NS-Verbrechen, vor allem gegenüber der Gemeinde Cortona, die für das Denkmal Steine aus den Ruinen des italienischen Dorfes Falzano di Cortona gestiftet hat.

Mit den Steinen sollte der 14 Dorfbewohner gedacht werden, die dort am 27. Juni 1944 von deutschen Gebirgstruppen ermordet wurden.

Denkmal für NS-Opfer in Mittenwald abgeräumt | Affront gegen Überlebende und NS-Opfer

Stellungnahme des AK Angreifbare Traditionspflege zum Abbau des Denkmals auf dem Bahnhofsvorplatz in Mittenwald am 4. Juni 2009

Die Entfernung des am Pfingstsamstag enthüllten Denkmals ist ein Affront gegen die Überlebenden und die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Das Denkmal, das bis heute auf dem Bahnhofvorplatzes in Mittenwald stand, trägt folgende Inschriften:

Entschädigung jetzt! Zum Stand der Entschädigungsklagen gegen die BRD

Redebeitrag des AK-Distomo, gehalten in Mittenwald, Pfingsten 2009

Wenn sich Deutschland dieses Jahr wieder einmal selber feiert, dann wird von den Opfern deutscher Barbarei und deren Ansprüchen gegenüber diesem Staat die Rede nicht sein. 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik und 20 Jahre nach dem Mauerfall wird sich das vereinigte Deutschland erneut als geläuterte Nation präsentieren, die aus den Verbrechen des Nationalsozialismus gelernt und ihre Geschichte aufgearbeitet habe. Doch die oberflächlichen Bekenntnisse deutscher Politiker kontrastieren allzu offensichtlich mit der Realität. Der nationalsozialistische Vernichtungs- und Raubkrieg wirkt bis heute fort.

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