27.4.2010 | IGH: NS-Opfer verlangen Beteiligung am Verfahren und Abweisung der Klage Deutschlands gegen Italien

Internationaler Gerichtshof in Den Haag:
Keine Staatenimmunität für NS-Kriegsverbrechen
NS-Opfer verlangen Beteiligung am Verfahren und Abweisung der Klage Deutschlands gegen Italien

Pressemitteilung | Athen/ Florenz/ Hamburg, den 27.4.2010

Rechtsanwalt Joachim Lau, Florenz
Rechtsanwältin Kelly Stamoulis, Athen
Rechtsanwältin Gabriele Heinecke, Hamburg
Rechtsanwalt Martin Klingner, Hamburg

Mit einem heute in Den Haag eingereichten Schriftsatz fordern Anwältinnen und Anwälte aus Griechenland, Italien und Deutschland eine Beteiligung ihrer Mandanten in dem Verfahren „Bundesrepublik Deutschland vs. Republik Italien“ und
eine Abweisung der Klage.

Bericht und Bilder: Wiederaufstellung und Einweihung des Denkmals in Mittenwald am 21.3.2010


Am 21.3.2010 fand in Mittenwald die offizielle Wiederaufstellung des Denkmals statt, welches der Gemeinde Mittenwald Pfingsten 2009 vom Ak Angreifbare Traditionspflege gestiftet wurde.

Nach der Aufstellung Pfingsten 2009 ließ der Mittenwalder Bürgermeister das Denkmal abbauen und erst nach monatelangen internationalen Protesten konnte die Gemeinde bewegt werden, die Schenkung anzunehmen und einen festen Standplatz im Ort zu suchen.

"...habe ich sehr klar gesagt, dass für mich jede »Aussöhnung« zwischen Tätern und Opfern inakzeptabel ist."

Leserbrief von Maurice Cling zum Artikel „Mahnmal: Alte Konflikte brechen erneut auf“ in: merkur-online, 22.03.2010 (siehe Pressespiegel)

Ich habe Ihren Artikel über die Feierstunde in Mittenwald zur Kenntnis genommen. Da Sie sich auf meine Rede beziehen, möchte ich einige Aspekte daraus präzisieren, da ich fürchte, dass ich nicht richtig verstanden worden bin.

Die Rede von Maurice zur Wiederaufstellung des Denkmals in Mittwald 21.3.2010

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren,

gestatten Sie mir zunächst all denen zu danken, die sich dafür eingesetzt haben, dass dieses Denkmal aufgestellt werden konnte und die diese bemerkenswerte Feier organisiert haben. Ich bin zutiefst bewegt hier zu sein, 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, noch immer am Leben, wo ich doch in Auschwitz und in Dachau und sogar bis hierher, ein ganzes Jahr in quasi permanenter Angst gelebt habe vor einem Tod, der mir unmittelbar bevorstand und doch so unvorhersehbar war.

Die Gebirgsjäger, das Nachleben der Vergangenheit in der Gegenwart und der Militarismus heute

**EINLADUNG zur Wiederaufstellung des Denkmals in Mittenwald am 21.3.2010

**AUFRUF zum antifaschistischen und antimilitaristischem RATSCHLAG in München am 20.3.2010

In Mittenwald in Oberbayern finden seit 1952 alljährlich Gedenkfeiern für die in den zwei Weltkriegen gefallenen Gebirgsjäger statt. Seit 2002 organisierte der Arbeitskreis "Angreifbare Traditionspflege" dagegen Proteste. Auf das Konto der SoldatInnen-Truppe, die heute – so Ex-Kriegsminister Struck - "unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt", gehen zahlreiche Kriegsverbrechen und etliche Massaker während der Naziherrschaft in Europa.

12.2.10 | „Man muss sich schon fragen, in welchem Milieu solche menschenunwürdigen Entgleisungen gedeihen können."

Pressemitteilung

Angreifbare Traditionspflege / Neue Folge
AK Keine Ruhe den NS-Tätern

„Man muss sich schon fragen, in welchem Milieu solche menschenunwürdigen Entgleisungen gedeihen können."
(Werner Gropp, Ex-Gebirgsjäger)

Wie man der Presse entnehmen konnte, seien vor allem ehemalige Gebirgsjäger bzw. Gebirgsjäger-Reservisten verantwortlich für die jetzt bekannt gewordenen menschenverachtenden Traditionsrituale in Mittenwald. Das ist wahrlich kein Zufall, sondern die traditionsreiche Form von soldatischen Männerbünden nicht nur in Mittenwald.

Oktober 2009 | SS-Mörder Heinrich Boere in Aachen vor Gericht

Ende Oktober beginnt der Prozess gegen den 88-jährigen SS-Mörder Heinrich Boere, der für mindestens drei Morde an ZivilistInnen während des zweiten Weltkrieges verantwortlich gemacht wird. Dies wird einer der letzten NS-Verbrecher-Prozesse sein. Unten folgt ein Bericht des AK Kein Vergessen.

Lebenslänglich für den Gebirgsjäger Josef Scheungraber - Und die Gemeinde Mittenwald verweigert Gedenken an die Opfer

Am Dienstag, 11. August 2008 wurde der ehemalige Gebirgsjäger-Offizier vor dem Landgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt.

Scheungraber

Der damalige Kompaniechef eines Gebirgspionierbataillons hatte am 27. Juni 1944 den Befehl zu einem Vergeltungsschlag gegeben. 11 italienische Zivilisten wurden auf sein Geheiß hin in der toskanischen Ortschaft Falzano di Cortona zusammen getrieben und in einem Bauernhaus in die Luft gesprengt. Nur eine Person überlebte das Massaker. Scheungraber bestritt während des gesamten elfmonatigen Prozesses, von dem Massaker gewusst zu haben. Am 11. August 2009 wurde er vor dem Landgericht München wegen zehnfachen Mordes und einem versuchten Mord verurteilt. Die Anwälte Scheungrabers haben gegen das Urteil Revision eingelegt.

Vor und nach dem Prozess fand vor dem Münchener Justizgebäude eine Kundgebung des AK Angreifbare Traditionspflege statt, auf der der Bürgermeister von Cortona und die aus Italien angereisten Vertreterinnen der Nebenklage sprachen. Der AK forderte:

Nie wieder ...

Transparent zur Kundgebung am 11.8. vor dem Landgericht München

2.8.09 // Offener Brief des Auschwitzkomitees an die Gemeinde Mittenwald

Offener Brief an die Gemeinde Mittenwald

Sehr geehrter Herr Hornsteiner,
sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger von Mittenwald,

Pfingsten 2009 konnte ich Sie anlässlich meines Besuchs in Mittenwald nicht kennen lernen. Sie waren nicht erschienen, als meine Freunde Maurice Cling und Max Tzwangue aus Frankreich und Enzo und Marcello de Negri aus Italien ein Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz in Mittenwald enthüllten, das an die Opfer der Massaker der in Mittenwald ansässigen Gebirgsjägertruppen und ihre Mittäterschaft bei Deportationen von Jüdinnen und Juden erinnern sollte.

Syndicate content